Vorteile der Wärmepumpe im Bestandshaus — und die eine Zahl, die entscheidet
Nicht das Baujahr entscheidet, ob eine Wärmepumpe funktioniert. Sondern die Temperatur, mit der die Heizkörper auskommen.
- JAZ bei 35 °C Vorlauf
- rund 4,0Flächenheizung
- JAZ bei 55 °C Vorlauf
- 3,0–3,3große Heizkörper
- Je Grad weniger Vorlauf
- +2,5 %Jahresarbeitszahl
- Wirtschaftlich ab
- JAZ 3,0Richtwert
Über Wärmepumpen im Altbau wird viel behauptet und wenig gerechnet. Dabei gibt es eine einzige Größe, an der alles hängt, und sie lässt sich an einem kalten Tag mit dem eigenen Heizungsthermostat selbst herausfinden: die Vorlauftemperatur.
Die Vorteile, nüchtern
- Kein Brennstoff im Haus, kein Tank, kein Schornsteinfeger für die Feuerstätte, keine Lieferung.
- Aus einer Kilowattstunde Strom werden drei bis vier Kilowattstunden Wärme.
- Kombinierbar mit der eigenen Photovoltaikanlage — der Verbrauch steigt, der Eigenverbrauchsanteil auch.
- Wartungsarm, weil es keine Verbrennung gibt.
- Im Sommer je nach Gerät zum Kühlen nutzbar.
Und der Nachteil, ebenso nüchtern: Sie braucht Strom, und zwar dann am meisten, wenn es am kältesten ist. Genau deshalb entscheidet die Effizienz über die Rechnung.
Die Jahresarbeitszahl
Die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ, sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom entstehen. Bei 35 Grad Vorlauftemperatur — also einer Flächenheizung — erreicht eine Wärmepumpe rund 4,0. Bei 55 Grad sind es nur noch 3,0 bis 3,3.
Die Vorlauftemperatur bestimmt damit einen Großteil der Effizienz: Jedes Grad weniger verbessert die Jahresarbeitszahl um etwa 2,5 Prozent. Als Richtwert gilt, dass eine Wärmepumpe im Bestand mindestens eine JAZ von 3 erreichen sollte, damit sie sich rechnet.
Einmal im Winter, kostenlos, aussagekräftig
An einem richtig kalten Tag die Vorlauftemperatur der bestehenden Heizung auf 55 Grad begrenzen und schauen, ob alle Räume warm werden. Wenn ja, ist das Haus grundsätzlich wärmepumpentauglich — ohne dass eine einzige Wand gedämmt werden muss.
Wenn nicht, heißt das nicht automatisch Nein. Es heißt, dass in einzelnen Räumen größere Heizkörper nötig sind. Das ist in der Regel deutlich billiger als eine Fassadendämmung und führt zum selben Ziel.
Was die Forschung dazu sagt
Im Feldtest des Fraunhofer ISE von 2023 bis 2024 wurden 77 Bestandsgebäude im Alter zwischen 15 und 170 Jahren untersucht. Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten dort im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4 — und, das ist der eigentlich bemerkenswerte Befund, es zeigte sich kein erkennbarer Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz.
Für eine Gegend wie diese ist das eine wichtige Nachricht. In Höhfröschen etwa wurden zwischen 1960 und 1969 fast hundert Bauplätze erschlossen; der halbe Ort ist gleich alt. Das Baujahr allein sagt über die Eignung nichts aus — die Heizkörper sagen alles.
Wo die Grenze liegt
Unwirtschaftlich wird es, wenn der Wärmebedarf sehr hoch ist. Ab einer Heizlast von etwa 180 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr fällt die Jahresarbeitszahl unter 2,7, und dann trägt die Rechnung nicht mehr. Unsanierte Gebäude mit hohem Wärmebedarf brauchen bei Frost Vorlauftemperaturen von 60 Grad und mehr — dort ist zuerst die Gebäudehülle dran, nicht die Heizung.
Passend dazu vor Ort
Quellen und Stand. Fördersätze, Vergütungen und gesetzliche Regelungen ändern sich. Prüfen Sie die Werte vor einer Entscheidung nach.
- Fraunhofer ISE, Feldtest Wärmepumpen im Bestand, 2023–2024
- JAZ-Werte in Abhängigkeit von der Vorlauftemperatur: Herstellerangaben und Feldtestdaten