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Wärmepumpe im unsanierten Altbau: Wann es trotzdem funktioniert

Der häufigste Fall in der Südwestpfalz: ein Haus aus den Sechzigern, Heizkörper unter den Fenstern, nie gedämmt. Und trotzdem oft machbar.

Feldtest Fraunhofer ISE
77 Gebäude15 bis 170 Jahre alt
Durchschnittliche JAZ
3,4Luft-Wasser im Bestand
Zusammenhang Baujahr/Effizienz
keinererkennbar
Kritische Heizlast
ab 180 kWh/m²dann JAZ unter 2,7

Der Standardfall in den Dörfern hier sieht so aus: Haus aus den Sechzigern oder Siebzigern, Heizkörper unter den Fenstern, Fenster in den Neunzigern getauscht, Fassade nie gedämmt, Öl- oder Gaskessel aus den Zweitausendern. Die Frage lautet fast immer: Geht da eine Wärmepumpe rein, ohne dass ich vorher das halbe Haus saniere?

Die überraschende Antwort der Forschung

Der Feldtest des Fraunhofer ISE hat zwischen 2023 und 2024 77 Bestandsgebäude vermessen — vom Nachkriegsbau bis zum 170 Jahre alten Haus. Die Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4. Zwischen Baujahr und Effizienz ließ sich kein Zusammenhang erkennen.

Das widerspricht der verbreiteten Annahme, ein altes Haus brauche zwingend erst eine Vollsanierung. Entscheidend ist nicht das Alter des Hauses, sondern ob die vorhandenen Heizflächen groß genug sind, um mit niedriger Temperatur auszukommen.

Die Prüfreihenfolge

  • Erstens: Fünfundfünfzig-Grad-Test an einem kalten Tag. Wird alles warm? Dann ist der Weg offen.
  • Zweitens: Räume identifizieren, die nicht mitkommen. Meist sind es ein oder zwei — oft das Bad und ein Nordzimmer.
  • Drittens: Dort größere Heizkörper einbauen. Ein Austausch kostet einen Bruchteil einer Dämmung.
  • Viertens: Hydraulischen Abgleich machen lassen. Er ist ohnehin Fördervoraussetzung und bringt oft mehr, als alle erwarten.
  • Fünftens: Erst danach über Dämmung reden — und dann dort, wo sie am meisten bringt: oberste Geschossdecke und Kellerdecke.
Die billigsten Maßnahmen zuerst

Oberste Geschossdecke schlägt Fassade

Wenn doch gedämmt werden muss, ist die Reihenfolge fast immer dieselbe: oberste Geschossdecke, dann Kellerdecke, dann Fassade. Die ersten beiden kosten wenig, sind in Eigenleistung machbar und senken die nötige Vorlauftemperatur spürbar.

Die Fassadendämmung ist die teuerste Maßnahme mit der längsten Amortisation — und in vielen Fällen gar nicht nötig, um eine Wärmepumpe zum Laufen zu bringen.

Wann man es lassen sollte

Ab einer Heizlast von etwa 180 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr fällt die Jahresarbeitszahl unter 2,7. Dann wird der Betrieb teuer, und die Wärmepumpe ist die falsche Reihenfolge. Solche Häuser gibt es hier auch — massive Sandsteinbauten mit Einfachverglasung, unbeheizten Nebenräumen und offenen Treppenhäusern.

In diesen Fällen gehört zuerst die Hülle in Ordnung gebracht. Alles andere ist eine teure Hoffnung.

Ein Wort zu Sandstein

In Orten wie Höheinöd prägen Sandsteinbauernhäuser den Ortskern. Diese Bauten verhalten sich anders als ein Siedlungshaus aus den Sechzigern: Sie haben viel Masse, reagieren träge und vertragen keine beliebige Innendämmung, weil Feuchtigkeit dann an der falschen Stelle anfällt. Hier lohnt sich der Energieberater, bevor irgendein Handwerker bestellt wird.

Quellen und Stand. Fördersätze, Vergütungen und gesetzliche Regelungen ändern sich. Prüfen Sie die Werte vor einer Entscheidung nach.

  • Fraunhofer ISE, Feldtest Wärmepumpen im Gebäudebestand, 2023–2024
  • Grenzwerte Heizlast und Jahresarbeitszahl: Auswertungen aus Feldtestdaten