Die Schuhindustrie und was von ihr blieb
Wer verstehen will, warum hier fast jedes Dorf seit 1997 kleiner geworden ist, muss nicht auf die Geburtenrate schauen, sondern auf die Fabriken.
- Hettenhausen
- bis 1987Fertigung für Adidas
- Thaleischweiler-Fröschen
- bis 2016Sitz des Handelskonzerns Reno
- Hettenhausen 1997–2025
- 284 → 186Einwohner
- Biedershausen 1997–2025
- 288 → 181Einwohner
Pirmasens war die deutsche Schuhstadt. Das ist keine Lokalfolklore, sondern Wirtschaftsgeschichte — und die Fabriken standen nicht nur in der Stadt, sondern in den Dörfern ringsum. In Hettenhausen, einem Ort mit heute 186 Einwohnern, wurden bis 1987 Schuhe für Adidas gefertigt.
Was das für die Dörfer bedeutete
Arbeit im Ort oder im Nachbarort. Ein Einkommen, für das man nicht pendeln musste. Familien, die blieben, weil es keinen Grund gab zu gehen. In den sechziger Jahren wurden in Höhfröschen fast hundert Bauplätze erschlossen — eine ganze Siedlungsgeneration entstand in einem Jahrzehnt, weil es Arbeit gab.
Und als es vorbei war
Die Produktion wanderte ab. Die Fabrik in Hettenhausen schloss 1987; heute arbeitet in dem Gebäude ein Maschinenbaubetrieb. Der Handelskonzern Reno hatte bis 2016 seinen Sitz in Thaleischweiler-Fröschen.
Die Zahlen erzählen den Rest. Hettenhausen hatte 1997 noch 284 Einwohner, heute sind es 186. Biedershausen ist von 288 auf 181 gefallen. Höhfröschen erreichte 1997 mit 960 Einwohnern seinen Höchststand und liegt heute bei 879. Das ist kein demografischer Zufall, das ist eine Wirtschaftsgeschichte.
Der Name im Wegenetz
Durch die Region führt bis heute die Deutsche Schuhstraße — unter anderem durch Rieschweiler-Mühlbach. Eine touristische Route, die an eine Industrie erinnert, die es so nicht mehr gibt.
Und in fast jedem Dorf steht noch ein Gebäude, das zu groß wirkt für den Ort. Meistens war es einmal eine Fabrik.
Warum das für Hauskäufer heute wichtig ist
- Die Preise in dieser Region sind niedriger als in vergleichbar gelegenen Gegenden — das ist die direkte Folge des Strukturwandels.
- Der Bestand ist von einer Siedlungsgeneration geprägt: viele Häuser aus den Fünfzigern bis Siebzigern, gleich gebaut, gleich alt, mit gleichem Sanierungsbedarf.
- Wer pendeln kann oder im Homeoffice arbeitet, bekommt hier Wohnfläche und Grundstück, die anderswo nicht bezahlbar wären.
- Umgekehrt gilt: Ohne eigene Mobilität ist das Leben hier schwierig — die Arbeit ist nicht mehr im Ort.
Die zweite Struktur, die blieb
Neben den Fabriken gab es immer die Landwirtschaft, und die ist noch da. In Höheischweiler sind 266 von 436 Hektar landwirtschaftliche Fläche, in Biedershausen siebzig Prozent der Gemarkung. Die Sickinger Höhe ist Kartoffelland; in Wallhalben gibt es dafür bis heute einen eigenen Markt, und die Kartoffel heißt hier Grumbeere.
Passend dazu vor Ort
Quellen und Stand. Fördersätze, Vergütungen und gesetzliche Regelungen ändern sich. Prüfen Sie die Werte vor einer Entscheidung nach.
- Einwohnerzahlen: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Stand 31.12.2025, sowie historische Werte für 1997
- Industriegeschichte: Angaben zu Hettenhausen und Thaleischweiler-Fröschen